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Press   > Je Kelko Nohow (V.A. Sorbspirit) Review by Roland Ludwig @ crossover-agm.de
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Je Kelko Nohow (V.A. Sorbspirit) Review by Roland Ludwig @ crossover-agm.de
[...] Den härtesten Beitrag der CD darf sich die erste Band der CD gutschreiben lassen, deren Namen ich vorher zumindest schon mal gehört hatte. Stoned Hajtzer knüppeln in "Kelko Nohow" aber nicht sinnentleert drauflos, sondern bauen einen tonnenschweren Riffwall auf, der jeder Doom/Death Metal-Kapelle zur Ehre gereichen würde, bevor sie urplötzlich ein Spinett auspacken und diesem einige blitzartige Koloraturen entlocken, eine fast bluesige Zwischenpassage einstreuen oder gar ein Saxophon über einem zerfahrenen Jazzschlagzeug und finsteren Subkontra-Akkorden der Gitarren solieren lassen, was in mir wiederum wohlige Erinnerungen an Dying In Silence hervorruft (die dieses Instrument allerdings bedeutend harmoniebetonter einsetzten). Progressiver Doom/Death Metal vom Allerfeinsten! (neobakuninistisch-parailluminatorische Dekadenz nennt sich der Stil übrigens nach Definition der Band - in früheren Entwicklungsphasen bezeichnete man sich als "Helgedoom".) [...]

© rls/CrossOver

full text:

"Die Sorben leben - und das nicht nur in einer verstaubten Folkloreschublade, in welche sie, wegen ihrer tatsächlich mit viel Liebe gepflegten lebendigen Bräuchen, gern gesteckt werden. Sie leben auch im 21. Jahrhundert." So steht's im (dreisprachigen - deutsch, englisch und sorbisch) Booklet dieser CD, die das Ziel verfolgt, die einleitende Aussage zu beweisen. Und dieses Ziel erreicht sie mit Hilfe von 10 Bands unterschiedlicher Coleur, die je einen sorbischsprachigen Song beigesteuert haben und sich partiell in den Lyrics auch mit sorbischen Befindlichkeiten auseinandersetzen. Die konsequente Verwendung der sorbischen Sprache mag dem einen oder anderen Hörer zunächst ungewohnt erscheinen, aber sie verleiht dem Ganzen auch einen exotischen Touch, den man bei einer aus Deutschland stammenden Produktion sonst nur künstlich mittels Multikulti-Ensembles erzeugen könnte. Man verzeihe mir, daß ich im folgenden die reichlichen Akzente, durchgestrichenen Ls und ähnliche Eigenheiten in Band- bzw. Interpretennamen und Songtiteln negiere, wenn ich die Musik auseinanderpflücke. Der Reigen beginnt mit Skupina Luzica, deren "Mlody Byc" passend zum optimistischen lyrischen Tenor einen fröhlichen Poprock auffährt - drei Positionen später geht Marko Smola nach dem gleichen Prinzip, allerdings noch etwas entspannter zu Werke, was nicht verwundert, denn "Dowol" bedeutet soviel wie "Urlaub", was in diesem Fall allen linguistischen Tricksereien zum Trotze nichts mit Humus zu tun hat. Zwischen diesen beiden Exempeln handgemachten Musizierens darf auch der elektronische Gehilfe nicht fehlen, der in Lozy Holcys "Ja sym zaso kradnyl" als Taktgeber fungiert und den Track durchaus tanzbar, wenn auch nicht discoflach macht (ein wenig HipHop ist auch noch dabei). Wolbernosce setzen dem gar mexikanische Tonfolgen entgegen, aber auch sie finden bald wieder zur sorbischen Identität zurück (Männertagspartys scheinen auch im Sorbenland zu den verbreiteten Sitten zu gehören, denn von einer ebensolchen handelt das locker-flockige "Dzen Muzi"). Klassischen Pop mit ganz leichter Chanson-Schlagseite hören wir in "Na zelenym rejowac" einer Dame namens Walburga - wer sich ein sorbisches Pendant zu Yasmina Hunzinger vorstellen kann, dürfte nicht ganz falsch liegen. Für den ersten Liedversuch überhaupt - Walburga beschränkte sich vorher auf Lyrik - schon sehr achtbar! Dass sich hinter Istvan der Ex-Sänger von Crying Blue (die auch in der posthumen Betrachtung immer noch zu den besten Bands gehören, die das Sorbenland jemals hervorgebracht hat, ob ihrer Auflösung aber leider nicht auf "Sorbspirit" vertreten sind) verbirgt, ist anhand der Stimme und der musikstilistischen Ausrichtung (wieder mal radiotauglicher Pop der 90er Jahre-Ausprägung mit programmiertem Trommelknecht) des Tracks "Preceljo zemje" nicht zu vermuten - aber er ist es doch! Kaum wiederzuerkennen. Mit einer entrückt wirkenden Gitarre und ebensolchem Pianogeklimper beginnt Mike Winklers "Dawno juzo zbytne ldzy", und man könnte auf einen mit der E-Gitarre vertrauten Liedermacher tippen, bis völlig überraschend astreiner Düstermetal aus den Boxen hoppelt, den das Piano nach wie vor auffällig dominiert, der irgendwie gar nicht nach einem Soloprojekt (das angesichts der Künstlerbezeichnung zu vermuten wäre) klingen will und dessen Stimme kehlig, aber nicht künstlich gepresst ertönt. Dass ich erst den Infotext gebraucht habe, um die Eingebung zu haben, dass Winkler was mit Necromance zu tun haben könnte, ärgert mich dann aber schon ein bisschen. Etwas mehr Easy Listening, aber trotzdem mit Anspruch kommt von James (welch ursorbischer Name ...) mit "Samotar", das irgendwie einen Touch neuerer Stones hat, wenn sie mit ganz relaxten ZZ Top jammen würden. Den härtesten Beitrag der CD darf sich die erste Band der CD gutschreiben lassen, deren Namen ich vorher zumindest schon mal gehört hatte. Stoned Hajtzer knüppeln in "Kelko nohow" aber nicht sinnentleert drauflos, sondern bauen einen tonnenschweren Riffwall auf, der jeder Doom/Death Metal-Kapelle zur Ehre gereichen würde, bevor sie urplötzlich ein Spinett auspacken und diesem einige blitzartige Koloraturen entlocken, eine fast bluesige Zwischenpassage einstreuen oder gar ein Saxophon über einem zerfahrenen Jazzschlagzeug und finsteren Subkontra-Akkorden der Gitarren solieren lassen, was in mir wiederum wohlige Erinnerungen an Dying In Silence hervorruft (die dieses Instrument allerdings bedeutend harmoniebetonter einsetzten). Progressiver Doom/Death Metal vom Allerfeinsten! (neobakuninistisch-parailluminatorische Dekadenz nennt sich der Stil übrigens nach Definition der Band - in früheren Entwicklungsphasen bezeichnete man sich als "Helgedoom".) Für weniger avantgardistisch veranlagte Hörer setzen Awful Noise (die einzige Band des Samplers, die mir vorher schon anhand von Tondokumenten bekannt war) den Schlußpunkt mit leicht indielastigem (höre die Strophengitarren!) und etwas stärker grungigem Metal gemäßigten Härtegrades: "Serbski dilema" fordert die Sorben auf, nicht über die Ignoranz anderer zu jammern oder sich gar per Mimikry an die sich amerikanisierende deutsche Gesellschaft anzupassen, sondern zu ihren Wurzeln zu stehen, gleichzeitig aber auch mit der Zeit zu gehen und neue Wege zu finden, ihre althergebrachte Kultur am Leben zu erhalten. Damit bringen sie die Intention dieses Samplers noch einmal auf den Punkt. Die CD enthält übrigens auch noch einen Multimediapart (wo man zahlreiche Informationen über die Bands bekommt, nur leider keine direkten Kontaktadressen - das einzige Manko), und man kann mit ihr sogar beginnen, Sorbisch zu lernen (derjenige Teil der Leserschaft, von dessen Russischunterricht noch etwas hängengeblieben ist, hat einen gewissen Startvorteil). Obwohl der Titel kein "Vol. 1" oder so enthält, würde ich mich definitiv über eine Fortsetzung freuen.

© rls/CrossOver
 

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