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"Greetings..." Review by Roland Ludwig @ crossover-agm.de
Würden die ebenfalls in diesem Update reviewten Nitrolyt Doom/Death Metal spielen, sie könnten auf ihrer derzeitigen Entwicklungsstufe so klingen wie Stoned Hajtzer auf "Greetings ...". Nun ist vorliegendes Album aber schon stolze acht Jahre alt, datiert also von 1998, und da hatten die Nitrolyt-Jungs zum größten Teil grade mal die Grundschule hinter sich, so dass diese Erörterung eine theoretische bleibt. Das Album liegt natürlich nicht schon acht Jahre unrezensiert hier, sondern hat mich tatsächlich erst 2006 erreicht, nachdem die Band per Zufall im Internet auf mein Review zum 2001er "Sorbspirit"-Sampler gestoßen war. Der dort vertretene Song durfte sich das Prädikat "progressiver Doom/Death Metal vom Allerfeinsten" umhängen, er fand allerdings erst 2004 den Weg auf ein Album der Band, auf das zweite namens "Nihihu" nämlich (dessen Review bei einem der nächsten Updates folgen wird). Hier soll es aber zunächst um das Debütalbum gehen, und das ist auch nach acht Jahren noch hochgradig hörenswert, was man beileibe nicht von jedem Album dieses Alters behaupten kann. Stoned Hajtzer agieren derart zeitlos, dass man sie in jedem musikalischen Zeitalter seit der Erfindung des Death Metals und der Feststellung, dass "Abwechslung" und "Metal" sich nicht prinzipiell ausschließen, verorten könnte. Das wird gleich im Opener "Flock Of Thorns" deutlich, der mit einer sanften Introduktion beginnt, dann finsteren Doom/Death der Bauart früher My Dying Bride (ohne Geige allerdings) oder Anathema auffährt, diesen aber immer wieder akustisch unterbricht und zudem auch das Tempo noch in verschiedenen Stufen nach oben schraubt. "Signify The Mischief" ist mit nicht einmal dreieinhalb Minuten der kürzeste Song der CD, trägt den Untertitel "Psychohelge" mit sich herum und stiftet damit so lange Verwirrung, bis man erfährt, dass die Band ihr frühes Schaffen tatsächlich mit dem Terminus "Helgedoom" umschrieb, bis man zu Zeiten des erwähnten Samplers bei dem ebenso anschaulichen Terminus "neobakuninistisch-parailluminatorische Dekadenz" angelangt war. Und irgendwie geht das Sextett in musikalischer Hinsicht tatsächlich so anarchistisch zu Werke wie weiland Herr Bakunin im politischen Sinne, wobei man "Anarchie" nicht mit "Unordnung" oder gar der im Punk grassierenden Traumwelt "Freier Alkohol für alle" gleichsetzen sollte. Wenn Stoned Hajtzer glauben, dass ein Break oder ein Stilwechsel an einer bestimmten Stelle in einen Song passt, dann bauen sie das bzw. den auch ein. Und dieser Glauben befällt sie recht oft, was dem Hörer die Aufgabe zuteilt, die bisweilen recht abrupten Sprünge von Crowbar über HIM zu Hawkwind (so in "Feeded" als exemplarische Betrachtung) nachzuvollziehen zu versuchen. Das lohnt sich aber, denn man bemerkt nach einigen Durchläufen die große Klammer, die hinter dem Schaffen der Band steht, wenngleich sich die nicht mit einer bestimmten Vergleichsband übersetzen lässt (wenn man denn so will, sind Stoned Hajtzer allenfalls so etwas wie Pink Floyd in Doom/Death Metal übersetzt). Die Zweiteilung des Albums fällt zwar in struktureller Hinsicht auf (den beiden erwähnten Openern folgt mit dem guten, aber nicht weiter weltbewegenden Instrumental "Manifestation" noch ein weiterer kurzer Song, und danach platziert die Band drei Longtracks von 9:30, 8:44 und 9:16 Minuten), weniger aber in musikalischer, denn würde man etwa das dreigeteilte "Pictures" einfach auf die Hälfte seiner Spielzeit komprimieren, man würde in erkennbarer Nähe zu den ersten drei Tracks landen, wenngleich die Zunahme der nichtdeathmetallisch geprägten Parts in den Longtracks schon ein wenig auffällt, vielleicht aber auch nur deswegen ins Ohr sticht, weil sie eben mehr Platz haben, sich zu entfalten. Die drei Longtracks sind auch jüngeren Datums als die ersten drei Tracks, und sie enthalten im Gegensatz zu diesen neben finsteren Growls auch nasalen Klargesang, der eine weitere Facette zum alles andere als eintönigen Schaffen der Band hinzufügt. Der zugänglichste der Songs ist übrigens der Closer "Transcendency of the Threshold of Time", der, wenn man das Gegrunze eliminieren und die Gitarren etwas anders stimmen würde, fast reinrassigen und sogar recht geradlinigen Progmetal ergäbe, in seiner derzeitigen Verfassung aber eher verdeutlicht, wohin die Erzgebirgs-Düsterheimer Depressive World nach jahrelanger Entwicklung noch hätten gelangen können. So richtig klar einzuordnen sind Stoned Hajtzer also nicht, mir fällt auch acht Jahre nach dem Erscheinen der CD keine Band ein, die man hier durchgängig als Vergleich heranziehen könnte, und das, obwohl der Düstermetal in der vergangenen Dekade Tausende und Abertausende von Bands ausspuckte - allenfalls ein paar Eckpunkte sind auszumachen, die da eben My Dying Bride, Depressive World, Pink Floyd, Hawkwind, aber beispielsweise auch Saturnus, Novembers Doom oder an einigen wenigen Stellen selbst Crematory heißen. Stoned Hajtzer sind nur sie selbst, und sie waren das wie erwähnt schon in ihrer frühen Entwicklungsphase - die Songs datieren aus den Jahren 1995 bis 1998. Humor besitzt das Sextett übrigens auch, denn 26 Minuten nach dem Ende von "Transcendency ..." hat es, damit auch das titelgebende Schwein mal noch zu seiner Ehre kommt, eine schaurig-schöne Version der Geschichte von den drei kleinen Schweinchen und dem Wolf eingezimmert, die unter Rehearsalsound zwischen Kinderlied, technokompatiblen Parts, Gothic, Country und Death Metal hin und her pendelt. Dagegen erscheint selbst das reguläre Material des Silberlings als Easy-Listening-Stoff, was es bei normaler Betrachtung wie erwähnt natürlich nicht ist. Mit Stoned Hajtzer ist auf jeden Fall eine hochgradig originelle und dabei auch noch gute (das eine bedingt bekanntlich nicht automatisch das andere) Band zu bestaunen, und daß solche Bands in der beschaulichen ostsächsischen Provinz entstehen, gehört zu den positiven Treppenwitzen der Musikgeschichte. Zu schade, dass Noiseworks Records für den Mut, solche und zahllose andere gute ostdeutsche Bands herauszubringen, nicht belohnt worden sind - aber die CD gibt's bei der Band noch, es ist noch nicht zu spät, seiner Sammlung damit etwas Gutes zu tun. Demnächst mehr aus diesem Theater.

© rls/CrossOver, 2006
 

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