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"nihihu" Review by Roland Ludwig @ crossover-agm.de
Bis 2003 noch unter dem Namen Stoned Hajtzer bekannt, beschloss diese sechsköpfige Truppe aus der Lausitz, in reziproker Relation zum Volumen der in den Songs verbratenen Stile und musikalischen Einfälle den Bandnamen auf das einprägsame Kürzel SH einzudampfen. Damit liegt in Gestalt von "Nihihu" ein Übergangswerk vor, denn der Opener "Je Kelko Nohow" hat bereits anno 2000 den Weg auf ein Speichermedium gefunden und trat kurze Zeit später über den Weg des "Sorbspirit"-Samplers auch in die heiligen CrossOver-Hallen ein; glaubt man dem Booklet, so hat nicht nochmal eine Neueinspielung im Rahmen der 2003/2004 angestanden habenden Konservierung der anderen vier auf "Nihihu" zu hörenden Songs stattgefunden. "Je Kelko Nohow" war schon damals ein hochinteressantes Stück progressiven Düstermetals, und dieses Urteil kann auch jetzt, im Jahre 2007, problemlos aufrechterhalten werden - das wüste Saxophonsolo etwa zaubert immer wieder ein freundliches Grinsen ins Gesicht eines jeden Hörers, der Avantgarde nicht automatisch mit dem kompletten Hinter-sich-Lassen aller Tonalität übersetzt. Gegenüber dem Opener stellt das nur knapp fünfminütige "Outer Illness: More Mischief" (vom Kompositionsdatum her der älteste der fünf Tracks) geradezu eingängigen Gothic Metal dar, nicht zuletzt dank eines richtig einprägsamen Refrains - aber auch in diesem Song sorgen schräge Einwürfe, die bisweilen fast spieluhr- oder kinderliedartigen Gestus aufweisen, für die Vermeidung einer Stromlinienförmigkeit. Trotzdem sei dieser Song dem eher normal veranlagten Hörer als Anspieltip mitgegeben, um sich in den Kosmos von SH vorsichtig hineinzutasten, während der interessierte Klangweltenentdecker auch problemlos einen der anderen vier Songs, deren Gesamtheit eine reichliche Dreiviertelstunde Spielzeit umfasst, ausprobieren kann. Generell fällt auf, dass der metallische Gehalt der Songs ein gutes Stück abgenommen hat, was sich sowohl auf den Gesang von Ben (der immer noch gern wild brüllt, aber auch nicht selten flüstert, verzerrt wird oder clean singt - übrigens mal englisch, mal sorbisch) als auch auf den instrumentalen Teil bezieht, wenngleich SH natürlich immer noch den einen oder anderen fast "klassisch" zu nennenden Teil eingebastelt haben - man höre sich nur mal den ausgewalzten doomgotischen Part im zentralen viertelstündigen "What Happens" an, der aber schon nach wenigen Minuten wieder von pinkfloydigen Keyboardeinwürfen abgelöst wird, was sich als Wechselspiel dann in schnellerer Folge fortsetzt, wobei klassische Harmonievorstellungen mal bedient, mal bewusst durchbrochen werden. Insgesamt gehört auch dieser Song noch zu den zugänglicheren im Schaffen der Band, was man attributiv dem oftmals eher collagenhaften Closer "Over" beim besten Willen nicht mehr umhängen kann - der experimentiert im Finale selbst mit dem Effekt eines beim Abspielen hängenden und springenden und daher flackernde Klänge erzeugenden Lasers (ein realer Schaden an CD oder Anlage kann ausgeschlossen werden, da man im Hintergrund einige durchlaufende musikalische Passagen hört), was äußerst gewöhnungsbedürftig klingt, aber die im Infoblatt abgedruckte "Nihihu-Formel" gültigkeitsseitig ein weiteres Mal beweist. Der dort zu lesende Auszug der Formel lautet: {(Waltari + My Dying Bride): ([Special Defects + Mouse on Mars] n*) x (x) + Cynic} - Virtuosität, wobei der Stern kein Rechenzeichen ist, sondern ein Hinweis auf eine Anmerkung: Hinter n verbirgt sich der Zappa/Patton-Koeffizient. Mathematiker können sich jetzt an die Berechnung von "Nihihu" wagen, wenngleich das eigentlich vergebliche Liebesmüh' ist, denn das Ergebnis, soviel darf der Rezensent verraten, lautet wie bei allen anderen Fragen auch 42. Der anarchistische Humor der Band, den man bereits auf dem Debütalbum "Greetings From the Transcendent Piggy World" eindrucksvoll verfolgen konnte, setzt sich selbstredend auch auf "Nihihu" fort, auf welches das neue Bandmotto "Wer will, der darf!" schön anwendbar ist; übrigens steht in der Diskographie auf dem Infoblatt auch das neue, dritte Album "SH" schon - obwohl es erst 2010 erscheinen wird. Die komplette Formel dürfte übrigens nicht den Bandnamen Toxic Smile enthalten, obwohl das Finale von "Banish: Planet's Atmosphere" in deren "Heavsent"-Finale ein ebenbürtiges Element an die Seite gestellt bekommen hat - "Banish" ist nämlich schon 2001 komponiert worden, "Heavsent" nicht viel später, und in konservierter Form gibt's beide erst seit 2004, so dass also keiner vom anderen abgekuckt haben kann. Der Hidden Track ist diesmal zweigeteilt - nach 10 Minuten Warten folgt ein erstes Stück (ein offensichtlich nicht verwendeter Songpart, da sich diverse Parallelen in den regulären Teil auftun) und nach abermaligen 7 Minuten eine Fortsetzung der bereits vom Debüt bekannten Geschichte über die drei kleinen Schweinchen und den großen bösen Wolf, die diesmal aber arg verkürzt ausfällt, offenbar weil der Hunger dann doch zu groß wurde. Mit "Nihihu" sind SH jedenfalls noch weiter vom Superstarstatus entfernt als mit dem Debütalbum, aber das ist in diesem Kontext als Kompliment zu verstehen. Als Nicht-Zappaianer sollte man jedenfalls auf der Homepage der Band erstmal probehören, was einen da erwartet, zumal sich nur extrem selten die Gelegenheit bietet, die Truppe mal live zu erleben, da die Mitglieder in alle Winde zerstreut leben und arbeiten. Schwer verdaulicher Stoff, aber sehr interessant und für Entdeckungsfreudige zumindest einen Test wert.

© rls/CrossOver, 2007
 

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